Bukarest
Aufgrund des Ausbruchs des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull fiel mein Flug mit Czech Airlines nach Belgrad aus. Ich konnte aber kurzfristig meinen Urlaub um eine Woche nach hinten verschieben und einen neuen Flug mit der Lufthansa nach Bukarest buchen. Somit hatte ich die Möglichkeit, eine Woche lang Rumänien und Moldawien näher kennenzulernen. In Bukarest angekommen fuhr ich zunächst zum Bahnhof um Fahrkarten nach Moldawien zu kaufen. Der Zug fährt alle zwei Tage abends in Bukarest los und kommt am nächsten Morgen in Chisinau an. Es gelang mir, eine Fahrkarte für die erste Klasse für ca. 40 € zu kaufen.
Da das Wetter den ganzen ersten Tag nicht besonders gut war, bin ich viel mit der U-Bahn herumgefahren und besuchte die beiden sehr großen Einkaufszentren Bucharest Mall und AFI Palace. Beide besitzen ein Multiplex Kino, welches Filme in Originalsprache mit rumänischen Untertiteln zeigt. Ich entschied mich, ins Kino zu gehen und sah mir am Vormittag “The Men Who Stare at Goats” (Rumänisch “Omul care se holba la capre”) und am Nachmittag “Date Night” (Rumänisch “Intalnire cu surprize”) an. Außerdem ging ich im großen Supermarkt der Bucharest Mall Lebensmittel einkaufen. Unter anderem fielen mir die praktischen 2-Liter und 2,5-Liter Plastikbierflaschen auf.
Am zweiten Tag schien schon morgens die Sonne und ich machte mich zu Fuß auf den Weg. Nachdem ich in einem kleinen Kiosk in der Nähe meines Hotels am Piata Romana eine Stadtkarte erhielt, lief ich Richtung Norden, bis ich am Piata Victoriei ankam. Von dort ging es weiter, die breite Allee Bulevardul Aviatorilor entlang…
Am Nachmittag fuhr ich mit der U-Bahn zum Piata Unirii, wo die Prachtstraße Bulevardul Unirii beginnt. Sie wurde von Nicolae Ceauşescu in Auftrag gegeben und absichtlich einen halben Meter breiter gebaut als die Champs-Élysées in Paris.
Am Ende des Bulevardul Unirii steht der ebenfalls von Ceauşescu gebaute Parlamentspalast – Palatul Parlamentului.
Im Rahmen halbstündiger Führungen kann das Innere des Palasts besichtigt werden. Die gigantischen Kronleuchter an den Decken,…
…die langen, vollständig mit Marmorplatten ausgekleideten Flure,…
…und die riesigen, sehr edel ausgestatteten Säle sind sehr beeindruckend und erinnerten mich ein wenig an das Innere der bayerischen Königsschlösser.
Der Balkon bietet eine beeindruckende Sicht auf die Piata Unirii. Und hier noch einige weitere Fakten zum Parlamentspalast:
- Der Palast hat eine Grundfläche von 65.000 m2 und ist nach dem Pentagon das zweitgrößte Verwaltungsgebäude der Erde
- Im Palast befinden sich 150.000 Glühlampen, 52.000 m2 Teppichböden und 2000 km elektrische Leitungen
- Der Palast ist 275 m lang, 235 m breit und besteht aus 5100 Räumen
- Donald Trump wollte den gesamten Palast kaufen und ihn in ein Spielcasino umwandeln
- Nicolae Ceauşescu wurde 1989 noch vor der Fertigstellung des Palasts gestürzt und hingerichtet. Die Bauarbeiten waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen, aber ein Abriss wäre genauso teuer gewesen wie die Fertigstellung.
- 1994 begrüßte Michael Jackson seine rumänischen Fans vom Balkon des inzwischen fertiggestellten Palasts mit den Worten “Hello Budapest!”
Im Folgenden noch weitere Impressionen aus Bukarest.
Am letzten Tag ging ich bereits am Nachmittag zum Bahnhof und wartete dort auf die Abfahrt meines Nachtzugs. Abgesehen von einem Betrunkenen, der mehrfach versuchte, einen Kaugummiautomaten zu verprügeln, gab es keine besonderen Vorkommnisse.
Im Zug nach Moldawien hatte ich ein Zweierabteil. Der Rumäne, mit welchem ich es teilte, stieg allerdings nach einer Stunde aus, so dass ich die ganze Nacht alleine im Abteil war. Leider wusste ich nicht, dass sich unter den Sitzbänken Bettdecken und Kopfkissen befanden. Ich erhielt vom Schaffner frische Bettbezüge und machte es mir auf diesen bequem, was zu einer eher schlaflosen Nacht führte.
Gerädert und beinahe erfroren an der Grenze angekommen wurden um 5:45 morgens zunächst die Passagiere und deren Gepäck kontrolliert. Anschließend wurden aufgrund unterschiedlicher Spurbreiten zwischen Rumänien und Moldawien die Fahrgeställe der Zugwagen ausgetauscht. Hierbei wurde der gesamte Zug durch Hebebühnen um ungefähr einen Meter angehoben, das Fahrgestell vom Zug losgelöst und durch ein anderes ersetzt. Anschließend wurde der Zug wieder abgesenkt und es ging weiter nach Chisinau.
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