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Neujahr in Delhi

January 1st, 2011 — 12:00am

Die Planung meiner Reise nach Indien, Nepal und Bangladesch begann mit einer Herausforderung. Als Reaktion auf die Anschläge von Mumbai im Jahr 2008 veränderte Indien seine Einreisebestimmungen. Unter anderem ist nach einem Besuch Indiens eine erneute Einreise frühestens nach zwei Monaten wieder möglich. Mein ursprünglicher Plan war es, nach Delhi zu fliegen und von dort 21 Stunden später nach Nepal weiterzureisen. Da ich anschließend über Indien nach Bangladesch gelangen wollte und keine zwei Monate in Nepal verbringen konnte, plante ich bereits, die Neujahrsnacht am Indira Gandhi Flughafen von Delhi zu verbringen. Die Seite Sleeping in Airports gibt hervorragende Auskunft, welche Flughäfen gut zum Übernachten geeignet sind.
Während der Beantragung meines indischen Visums in München erwähnte ich, dass ich innerhalb von 10 Tagen erneut aus Nepal nach Indien einreisen möchte und erhielt schließlich ein Visum mit dem Aufdruck “Gap of two months not required”, welcher mir genau dieses ermöglichte.

Nun aber zur Reise. Sie führte mich in die beiden südasiatischen Länder Nepal und Bangladesch, die ich bisher nur aus dem Fernsehen und aus Reiseberichten kannte. Indien diente primär zum Transit, wobei ich auch dort einiges Interessante sah und erlebte. Vor drei Jahren war ich dort und beschloss, nicht mehr zurückzukehren. Indien ist ein Land, welches verdaut werden muss. Es ist anstrengend, ermüdend und eine derart intensive Reiseerfahrung, dass ich damals nach meinem Urlaub zunächst Abstand benötigte. Unbestreitbar ist das Land aber auch faszinierend. Die Kultur, das Essen, die Menschen und die Fortbewegungsmittel, das absolute und unbeschreiblichste Chaos machen dieses Land zu einem herausfordernden und lohnenswerten Reiseland und ich probierte es nach drei Jahren nochmals aus. Wollte nochmals sehen, wie es sich anfühlt, nachdem so viel Zeit vergangen ist.

Und dann war ich wieder mittendrin. Um 16:00 kam ich in Pahar Ganj im Zentrum Delhis an, wo sich mein 10€-Hotel befand. Kühe, die auf der Straße liegen. Ein Elefant, der an meinem Hotel vorbeiläuft. Gerüche indischer Gewürze. Alle zwei Meter ein Händler, der mir zuruft und Socken, Unterhosen, Schlafsäcke, Uhren oder Schmuck verkauft. Alle 10 Meter zischt mir ein Inder “Wanna smoke?” zu. Tuktuks, die laut knatternd durch die engen überfüllten Straßen flitzen. Abends überall kleine Feuer, an denen sich die Einwohner Delhis die Hände wärmen. All das und viel mehr ist Indien.

Ich ging nur noch zu Abendessen und dann ins Bett. Silvester verschlief ich, da ich nach meinem Nachtflug sehr müde war. Am nächsten Tag beschloss ich, dieses mal nicht mit Taxis, Motorrad- oder Fahrradrikschas herumzufahren sondern mich näher mit der U-Bahn Delhis auseinanderzusetzen. Dies stellte sich als Glücksfall heraus. Die Züge verkehren in kurzen Abständen, sind modern, sauber und gegenüber den häufig verstopften Straßen eine sehr schnelle Möglichkeit der Fortbewegung. Einzelne Wagen sind den Frauen vorbehalten und ein Verbotsschild an den Stationen weist darauf hin, dass das Fahren auf dem Dach der Bahnwagen verboten ist und mit 50 Rupien geahndet wird.


Vormittags fuhr ich also in Richtung Süden, zum Qutab Minar. Mit 72,5 Metern ist dies das höchste, aus Ziegelsteinen erbaute Minarett. Es steht in einem Park, in welchem ich mehrere Stunden bei gutem Wetter herumlief, Papageien und Streifenhörnchen beobachtete und etwas in der Sonne döste.


Anschließend fuhr ich mit der Bahn weiter in südliche Richtung bis zur Haltestelle M.G. Road, die ungefähr 20km südlich vom Zentrum Delhis liegt. Dort aß ich in der MGF Metropolitan Mall zu Mittag und schaute mir anschließend im Kino “The Tourist” an. Zuvor musste ich den Akku meines Fotoapparats abgeben. Offenbar machten sich die Sicherheitsleute Sorgen, dass ich den Film mit meiner Kamera aufnehme und als Raubkopie verbreite. Die Werbeeinblendung fand übrigens in der Mitte des Films statt. Die Leinwand wurde plötzlich dunkel und ich dachte bereits, dass der Filmprojektor ausgefallen ist. Als daraufhin alle Zuschauer ruhig sitzen blieben, ihre Handys herauszogen und SMS-Nachrichten tippten blieb ich sitzen und 5 Minuten später ging es wieder weiter.

Ich habe diesen Tag sehr genossen und ganz neue, sehr schöne Seiten von Delhi kennengelernt. Sobald man sich von den ausgetretenen Touristenpfaden entfernt, wird Indien angenehmer.

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