180km in 12 Stunden
Die Straßen von Accra sind voller fliegender Händler, die zwischen den Autos herumlaufen und ihre Waren auf dem Kopf balanzieren. Die häufig im Stau stehenden Autofahrer rufen ihnen zu, wenn sie etwas benötigen und die Händler müssen sich dann beeilen und alles erledigen, bevor der Stau sich auflöst oder die Ampeln auf grün schalten. Gesehen habe ich Verkäufer mit Popcorn, Erdnüssen, Kaugummis, Plastikpäckchen mit Trinkwasser, Plastikpäckchen mit Joghurt, Zeitungen, Toilettenpapier und Superkleber. Aber auch viel Unerwartetes wurde auf den Straßen zum Verkauf angeboten. So zum Beispiel Hundeleinen, Hundewelpen, Heckenscheren, Wanduhren, Herrenschuhe und mehrfach Gemälde von Jesu letztem Abendmahl. Die Arbeit auf der Straße muss furchtbar anstrengend und ungesund sein. Die Händler laufen den ganzen Tag zwischen den Autos herum, es gibt keinen Schatten und die Luft ist voller Abgase.
Die Fortbewegungsmittel in Ghana, Togo und Benin sind sehr vielfältig und reichen von klapprigen Motorrädern bis hin zu modernen Langstreckenbussen. Ich bin hauptsächlich mit Sammeltaxis und Motorradtaxis gefahren. Insbesondere die Sammeltaxis sind ein interessantes Fortbewegungsmittel und können sehr bequem sein. Die verwendeten Autos sind mittelgroß und nehmen sechs Passagiere (zwei auf dem Beifahrersitz und vier auf dem Rücksitz) auf. Gezahlt wird pro Sitzplatz und die Autos fahren los, sobald sie voll sind. Abhängig vom Zielort kann dies von 10 Minuten bis hin zu mehreren Tagen dauern. Immer wenn es möglich war, bezahlte ich den doppelten Fahrpreis, und erhielt dadurch den ganzen Beifahrersitz für mich allein.
Sammeltaxi in Togo. Die meisten Fahrzeuge auf meiner Reise hatten gesprungene Windschutzscheiben.
Entlang meiner Fahrstrecke habe ich zahlreiche Unfallfahrzeuge gesehen. Lohnt sich eine Reparatur nicht mehr, werden diese einfach am Straßenrand liegen gelassen.
Besonders Abwechslungsreich war meine Reise von Abomey in Benin nach Kpalimé in Togo. Die Fahrt bis Azové in einem Sammeltaxi war einfach und schnell. In Azové musste ich das ganze Taxi mieten und konnte bis zur Grenze fahren. Hinter der Grenze jedoch gab es keine Fortbewegungsmittel. Keine Autos, nicht einmal Motorräder. Der Grenzer sagte mir, dass das nächste Dorf, Tohoun, 2km entfernt sei und mir blieb nichts anderes übrig, als zu Fuß zu gehen. In Tohoun erfuhr ich, dass es keine Sammeltaxis oder Busse nach Kpalimé gibt, also musste ich mit einem Motorradtaxi bis Notsé fahren. Dort sagte man mir, dass der nächste Kleinbus nach Kpalimé in zwei Stunden abfährt.
Vier Stunden später ging es dann tatsächlich los. Der Bus war allerdings so alt, dass er immer wieder stehen blieb. Ich musste dann aussteigen, der Fahrer baute seinen Sitz und den Beifahrersitz aus, legte das Getriebe frei und fing an, herumzubasteln.
Die Strecke war aber sehr schön und 12 Stunden nach dem Beginn meiner Reise war ich in meinem Hotel in Kpalimé angekommen.
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