Der gestrige Weg von Xiangcheng nach Litang war etwas chaotisch. Nachdem uns den ganzen Morgen ueber versichert wurde, dass um 11 Uhr ein Bus faehrt, hiess es Mittags auf einmal “Mei You!” (gibts nicht). Um nach Litang zu kommen, mieteten wir zu sechst (2 Israelis, 2 Norweger, ein Australier und Ich) fuer 45 Euro einen Minibus. Die Entfernung nach Litang betraegt 200 km und fuehrt ueber einen 4800 Meter hohen Pass.

Auf dem Pass machten wir eine kurze Pause, unser Fahrer sang irgendwas tibetisches und warf bunte Papierscheine in die Luft. Es war ziemlich kalt und sehr windig.
Anschliessend fuhren wir weiter, die gesamte Fahrt dauerte ca. 4 Stunden. In Litang checkte ich in einem noch nicht ganz fertigen Hotel ein. Aus dem Wasserhahn fliesst meistens braunes Wasser und ich habe eine Hocktoilette. Dafuer kostet das sehr schoene Zimmer nur 7,50 Euro pro Nacht. Und die Beleuchtung im Bad ist fantastisch. Schaltet man alle 4 Gluehbirnen ein, fuehlt man sich wie im Solarium. Es wird extrem hell und warm. Ich benutze die Badezimmerbeleuchtung als Ersatz fuer die fehlende Heizung *g*.
Litang ist atemberaubend! Die Stadt liegt ca. 4100 Meter hoch auf einer Ebene, die von schneebedeckten Bergen umgeben ist. Geht man hier etwas schneller spazieren, oder geht es ein wenig bergauf, geht einem schnell die Luft aus. Es leben hier ungefaehr 50.000 Menschen. Die Stadt ist nur ueber sehr lange Busfahrten erreichbar. Es gibt hier weder eine Eisenbahn, noch einen Flughafen.


Die Menschen in Litang sind sehr freundlich. Jeder ruft mir hier “Helloooooo” hinterher. Ganz anders als die Chinesen in anderen Teilen Chinas.
Ich bin heute den ganzen Vormitag durch die Stadt gelaufen. Es gibt viel zu sehen. Besonders interessant ist eine Stupa und das grosse Kloster, dass an einem Hang ueber der Stadt liegt.


Zum Qudenggabu Choerten kommen viele Glaeubige. Sie laufen im Kreis um die Stupa und drehen die Gebetsmuehlen. Der Anblick ist schwer zu beschreiben (gut, dass ich nie Schriftsteller werden wollte *g*). Das sehr fremde Aussehen der Glaeubigen, ihre Gesaenge, die Stupa, die hohen Berge im Hintergrund, das intensive Sonnelicht, die duenne Luft und der sehr intensive blaue Himmel, all das laesst mich erkennen, dass ich in einer voellig fremden Welt angekommen bin. Hier bin ich naeher an Tibet als an China.
Anschliessend bin ich zum tibetischen Kloster (Choede Gompa) aufgestiegen. Entlang des Weges stehen alte tibetische Haeuser, Kinder spielen draussen, Frauen waschen Waesche und viele Moenche und Glauebige sind mir entgegen gekommen.

Im Kloster angekommen, traf ich auf eine Gruppe von Moenchen, die im Innenhof des Klosters sassen und fruehstueckten. Sie luden mich ein, mich zu ihnen zu setzen. Wir plauderten ein wenig, sie sprachen und verstanden alle chinesisch. Es hat mir dort sehr gut gefallen. Schade, dass mein Chinesisch nicht ausreicht, um genauere Informationen ueber Buddhismus und das Leben der Moenche zu bekommen.
Beim Abstieg hab ich mir ein wenig den Fussknoechel verstaucht (Andi, hoffe es wird nicht so schlimm wie bei dir *g*). Den Nachmittag war ich deswegen im Hotelzimmer und hab geschlafen.
Ich bleibe noch einen weiteren Tag hier. Morgen werde ich ein wenig rumlaufen. Ausserdem muss ich Busfahrkarten fuer die Fahrt nach Kangding kaufen.